Die Schülerproteste in Frankreich haben am Donnerstag einen heftigen Streit darüber ausgelöst, ob die linkspopulistische Partei La France Insoumise (LFI) hinter der Bewegung steht. Die Regierung berief sich dabei auf Geheimdiensterkenntnisse, die LFI wies den Vorwurf zurück. Bis in die Abendstunden wurden nach Angaben des Innenministeriums 1.949 Menschen festgenommen, 305 Polizisten und Gendarmen wurden demnach verletzt.
Innenminister: Feuerwerkskörper Auf Einsatzkräfte Geschossen
Innenminister Laurent Nuñez verurteilte eine "ungezügelte Gewalt". Die Lage habe sich verschärft und habe "nichts mehr mit dem legitimen Ausdruck von Schülerforderungen" zu tun, erklärte er. Feuerwerkskörper seien auf Einsatzkräfte geschossen, öffentliche Gebäude angezündet und Geschäfte geplündert worden.
Nach Angaben des Innenministeriums waren am Donnerstag landesweit 1.027 der rund 3.700 weiterführenden Schulen von Protestaktionen betroffen - fast jede dritte. 222 Schulen wurden blockiert. Alle Départements Frankreichs waren von den Protesten betroffen.
Geheimdienste Sprechen Von "Organisiertem Manöver"
Das Amt von Premierminister Sébastien Lecornu erklärte unter Berufung auf die Geheimdienste, die Protestbewegung sei "ein organisiertes Manöver der LFI und ihrer linksextremen Verbündeten". LFI-Koordinator Manuel Bompard wies dies zurück. Es handle sich um eine "spontane Protestbewegung angesichts unwürdiger Bedingungen im Schulwesen". Er forderte die Regierung auf, "nicht in Verschwörungstheorien zu verfallen".
- Die Wut der Schüler auf Frankreichs Straßen
LFI-Chef Jean-Luc Mélenchon hatte der Regierung "Repression" vorgeworfen und erklärt, seine Partei habe zu "gewaltfreien Formen des Kampfes" aufgerufen. In einer Umfrage des Instituts Odoxa-Backbone für die Tageszeitung "Le Figaro" bezeichneten 62 Prozent der Befragten die Proteste als gerechtfertigt. Zugleich erklärten 61 Prozent, die LFI überschreite mit ihrer Beteiligung ihre Rolle.
Gewaltsame Proteste Landesweit
Die Gewalt trat landesweit auf: Im westfranzösischen Nantes brannte die Eingangshalle einer Schule ab, im südfranzösischen Marseille wurden mehrere Busse und ein Feuerwehrauto in Brand gesetzt. Vor Schulen in Lille, Brest und Straßburg gingen Mülleimer in Flammen auf. Im Pariser Vorort Saint-Denis und an anderen Orten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. An mehreren Orten wurden Schulleiter verbal oder körperlich angegriffen. In Straßburg und Marseille setzten die Behörden den Straßenbahnverkehr zeitweise aus.
Auslöser der vor einer Woche begonnenen Proteste sind baufällige Gebäude, Lehrermangel, fehlende Materialien und lange Schultage. Zudem brechen sich ein allgemeiner Unmut und eine Politikverdrossenheit Bahn, vor allem in sozial benachteiligten Orten. Auch Studierende schlossen sich am Donnerstag an, rund 30 Hochschulstandorte wurden blockiert.
Lfi-Politiker Zeigen Sich Vor Blockierten Schulen
Die Proteste wurden schnell zum Politikum. Mehrere LFI-Politiker zeigten sich vor blockierten Schulen. Lecornu hatte LFI-Politikern bereits am Montag eine "unverantwortliche Eskalation" vorgeworfen. Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Bildungsministeriums 119 Schülerinnen, Schüler, Lehr- und Aufsichtskräfte verletzt.
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Quelle: AFP, dpaÜber dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 30.09.2026 ab 17:00 Uhr.
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