Die Kritik an der von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplanten Pflegereform reißt nicht ab. Vor allem die Erhöhung der Beiträge für Kinderlose um 0,3 Prozentpunkte stößt auf Widerstand.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert, dass Kinderlose überproportional belastet würden. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagt ZDFheute: "Jetzt werden wieder die Kinderlosen mit höheren Beiträgen dafür zur Kasse gebeten, dass sie - aus welchen Gründen auch immer - keine Kinder haben. Und weiter:
- Kinderlose sollen noch höhere Beiträge für die Pflege zahlen
- Das Milliardenloch der Pflege - und für wen es teurer wird
Queerer Verband Warnt Vor Benachteiligung Kinderloser
Ähnlich äußert sich auch der Verband Queere Vielfalt. Die geplante Erhöhung des Beitrags für Kinderlose betreffe Menschen, die keine Kinder bekommen können oder deren Möglichkeiten zur Familiengründung erheblich eingeschränkt seien, sagt Angela Hermann, Mitglied des Bundesvorstands.
Keine Kinder zu haben könne schwule Männer ebenso betreffen wie auch lesbische, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen.
Sie könnten aufgrund ihrer Lebenssituation, biologischer Voraussetzungen oder bestehender rechtlicher Rahmenbedingungen vor besonderen Hürden bei der Familiengründung stehen. Hermann sagt ZDFheute:
Pflegebeitrag Für Kinderlose Soll Auf 4,5 Prozent Steigen
Zuvor hatte bereits der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm, die Pläne kritisiert. Kinderlose würden durch die Reform mit 3,3 Milliarden Euro pro Jahr belastet. Storm sagte der "Rheinischen Post":
Storm moniert, dass Kinderlose statt 4,2 Prozent bald 4,5 Prozent des Bruttolohnes für die Pflegeversicherung zahlen sollen, während der Beitrag für Versicherte mit Kindern bei 3,6 Prozent liege. Weiter dürfe die Spreizung der Beiträge nicht gehen.
Woran Es Ebenfalls Kritik Gibt
Zusätzlich hält die Kritik aus der SPD an, weil die bisherigen Pläne keinen sogenannten Pflegedeckel enthalten, also einen Deckel für die Eigenanteile Pflegebedürftiger.
Dieser hätte nach Einschätzung von Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) auch die Kommunen entlastet. Die Länder müssten das Gesetz im Bundesrat stoppen und zunächst in den Vermittlungsausschuss schicken, sagte Jung den Funke Mediengruppen.
Gesundheitsminister Linnemann hatte angekündigt, strittige Fragen teils in einer Kommission zu besprechen, die kommende Woche eingesetzt werden soll.
- Krise zunächst abgewendet, aber Differenzen werden deutlich
Kredit Von Bis Zu 700 Millionen Euro
Am Freitag war außerdem bekannt geworden, dass der Bund die Pflegeversicherung mit einem zusätzlichen Kredit in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro unterstützen muss. Andernfalls droht die Zahlungsunfähigkeit.
Das geht aus einem Schreiben des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor. Darin heißt es, dass die Kassen noch in diesem Jahr ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten, sollte es keine zusätzlichen Mittel geben.
Über dieses Thema berichtete das ZDFheute journal am 30.09.2026 ab 21:45 Uhr.