Linksruck in Berlin - und der fällt wesentlich klarer aus als vor der Wahl erwartet: 25,7 Prozent erreichte die Linke laut Zwischenergebnis nach Auszählung aller Stimmen. Keine Umfrage sah die Linke bei über 25 Prozent. Elif Eralp, Tochter türkischer Einwanderer, hat gute Chancen, als erste Politikerin der Linken in das Rote Rathaus einzuziehen - und als erste Frau mit Migrationshintergrund Regierende Bürgermeisterin zu werden.
Dafür braucht sie die Grünen und die SPD. Und ihre eigene Partei. Vor begeisterten Parteianhängern versprach sie gestern ein besseres, gerechteres und bezahlbares Berlin.
Weg Zur Regierungsbildung Könnte Steinig Werden
Doch in der Linken wollen - anders als Eralp - nicht alle regieren. Die sogenannte Linke in der Linken und die Gruppe Palästinasolidarität wollen lieber Fundamentalopposition machen.
Ein Parteitag soll über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen entscheiden, ein weiterer über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Und schließlich sollen die Mitglieder der Linken über den Koalitionsvertrag abstimmen. Der Weg zur Bildung einer Koalition ist weit, und vielleicht auch steinig.
Clan-Chef Besuchte Wahlparty Der Linken
Teile der SPD stellen sich gegen die Vergesellschaftungspläne der Linken, die Partei kämpft mit Israelhass und Antisemitismus in den eigenen Reihen. Das blitzte auch im Wahlkampf auf.
Auf die Frage, ob sie ihre Partei im Griff habe, sagte Eralp gestern im ZDF: "Die Partei steht hinter mir." Grüne und Sozialdemokraten beäugen das kritisch, das droht, die Sondierungen kompliziert zu machen.
Auch im Feld der inneren Sicherheit gibt es einige Differenzen. Apropos: Clan-Chef Issa Remmo besuchte die Wahlparty der Linken in Neukölln. Darauf angesprochen sagte Elif Eralp im ZDF, er sei nicht eingeladen gewesen und aufgefordert worden, die Veranstaltung zu verlassen. Sie wolle mit organisierter Kriminalität nichts zu tun haben.
Hat Die Cdu Zu Lange An Wegner Festgehalten?
Die CDU erleidet massive Verluste von 9,5 Prozent und landet bei 18,8 Prozent. Spitzenkandidat Stefan Evers musste für den noch Regierenden Bürgermeister Kai Wegner einspringen, der wegen seiner katastrophalen Krisenkommunikation im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Stromnetz nicht mehr zu halten war.
Evers konnte den Abwärtstrend zwar stoppen - mehr aber nicht. Die Berliner CDU muss sich nun fragen, ob sie zu lange an Wegner festgehalten und sich so geschadet hat.
Die CDU hat keinen Auftrag zur Regierungsbildung vom Wähler erhalten. Das weiß man in der Partei genau. Trotzdem wird sie versuchen, sich als Alternative anzubieten. Für eine Koalition der Mitte, eine Koalition der "Vernunft".
Die Finanzlage der Hauptstadt ist äußerst angespannt. Auch das könnte die Bildung eines Linksbündnisses belasten. Und dann könnte, so hoffen einige in der Partei, die Stunde der CDU schlagen.
Grüne Scheitern Erneut
Auch die Grünen haben verloren: Mit 14,3 Prozent landen sie nur auf Platz 4. Wieder ist der Traum geplatzt, das Rote Rathaus zu erobern. Spitzenkandidat Werner Graf versuchte es mit einem unaufgeregten Wahlkampf. Bei den Wählern gepunktet hat das nicht.
Graf hatte schon im Wahlkampf seine Präferenz für ein Linksbündnis geäußert. Gestern Abend hat er das noch einmal unterstrichen: Die Stadt habe den Wechsel gewählt, diesen Wechsel sei man der Stadt schuldig.
Giffey Verpasst Den Einzug Ins Abgeordnetenhaus
Steffen Krach hat gekämpft, doch gefruchtet hat es nicht. Die SPD stürzt ab und erlebt ein Desaster: 12,1 Prozent, nur Platz 5. Seit Jahrzehnten ist die Partei maßgeblich an allen Regierungen in der Hauptstadt beteiligt gewesen. Die Berliner Wähler schätzen die einst so stolze Arbeiterpartei immer weniger.
Franziska Giffey, frühere Bundesministerin und Regierende Bürgermeisterin, verpasst den Einzug ins Abgeordnetenhaus. Und trotz Absturzes wird die Partei weiter gebraucht: Keine Koalition ohne SPD. Ob ein Linksbündnis oder eine Koalition mit CDU und Grünen der darbenden Partei mehr Möglichkeiten für eine Erholung bieten, dürfte auch die Parteistrategen ratlos machen. Steffen Krach will als Parteivorsitzender weitermachen.
Bsw Scheitert Knapp An Der Fünf-Prozent-Hürde
Die AfD kann zulegen, landet bei 16,3 Prozent. Und das, obwohl Berlin, so Spitzenkandidatin Kristin Brinker, "ein schwieriges Pflaster" für die Rechtspopulisten ist. Die Umfragen hatten sie weiter vorne gesehen.
Das BSW scheitert mit 4,7 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Das hat Auswirkungen auf die Verteilung der Sitze im Abgeordnetenhaus und bedeutet, dass neben einem Linksbündnis auch eine Kenia-Koalition von CDU, Grünen und SPD möglich ist.
Und das erhöht die Macht der Grünen und der SPD. Sie entscheiden am Ende, wer am Ende in das Rote Rathaus einzieht: Elif Eralp oder Stefan Evers. Viel hängt jetzt davon ab, wie regierungsfähig die Linke in den nächsten Wochen auftritt.
Stephan Merseburger ist Leiter des ZDF-Landesstudios Berlin.
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Über die Wahl in Berlin berichtete das heute journal am 20.09.2026 ab 21:45 Uhr.
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