"Die Vorstellung, Friedrich Merz hätte eine blaue Reservearmee, die er nur aus Höflichkeit nicht ins Feld führen würde, ist eine völlig irre Vorstellung."
Journalist Robin Alexander sprach am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" von einer "Falle" der AfD - einer Minderheitsregierung. Von einem Szenario, das seit Tagen durch das politische Berlin geistert. Von einem Szenario, dessen politische Funktionalität Alexander anzweifelte.
Denn: "Die AfD hat sich nie zu diesen Reformen bekannt." Das Programm der AfD und die Äußerungen ihrer Vertreter würden dagegen sprechen, dass die AfD die Reformpläne der Union zur Rente und zur Wehrpflicht mittragen würde, so Alexander.
Alexander: Afd Will Politische Mitte Schlagen
Im Falle eines Koalitionsbruchs müsste Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Bundespräsidenten bitten, die SPD-Minister zu entlassen. "Damit wäre jede weitere Abstimmung mit der SPD vom Tisch. [Merz] könnte sich also nur noch auf die AfD stützen", erklärte Alexander.
Um an Reputation zu gewinnen, würde die AfD zwei, drei Mal mitmachen und dann die "Sache scharf stellen":
Daraufhin würde die AfD mit dieser "verfeindeten, gerade geschlagenen politischen Mitte" in die Wahlauseinandersetzung gehen. Wer die Neuwahlen in diesem Fall gewinnen würde, sei "völlig klar" - und "das ist die Falle", warnte Alexander.
- AfD lotet Szenario für Unions-Minderheitsregierung aus
Rödder: Zwei Spaltungslinien In Der Union
Vor dem Hintergrund der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sagte Historiker Andreas Rödder:
Ob Merz, ob die Bundesregierung diese Spannung aushalte, sei eine offene Frage. Denn auch durch die Union würden "zwei Spaltungslinien" verlaufen, so Rödder.
- Reformen: Wie ist der Stand nach den Wahlen in Ostdeutschland?
Einerseits hatte Friedrich Merz angekündigt, Zustimmung für die Union und die Bundesregierung "ausschließlich in der politischen Mitte" zu suchen. Also "links der Union", so der Historiker. Diese Politik würde Merz derzeit vertreten, sie führe aber zur "schleichenden Erosion nach rechts".
Andererseits drohe der Union die Spaltung nach links, wenn sich die Union aus dieser "strategischen Bindung an die Linke beziehungsweise an die SPD" befreien und auf Stimmen der AfD zurückgreifen würde, erklärt Rödder.
Regierung Im Schleichenden Sinkflug?
"Diese Zwangslage" habe Merz noch am Wahlabend von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zum Ausdruck gebracht, indem er gesagt habe, dass er auf Reformen setze und mit der schwarz-roten Koalition weiter regieren möchte, sagte Rödder.
Merz sei für eine "konsequente Reformpolitik" angetreten. Wenn der Koalitionspartner SPD nicht mitgehen würde, könne Merz Konsequenzen in Kauf nehmen. Rödder zielte damit auf das "Reizwort Minderheitsregierung" ab:
"Natürlich ist eine Minderheitsregierung jetzt keine Wunschvorstellung (...), aber wenn die alternative Option eine Regierung ist, die sich nicht auf etwas einigen kann und (...) in einen schleichenden Sinkflug übergeht, dann stellt sich die Frage nach Alternativen."
Minderheitsregierung - Wegweiser In Die Todeszone?
Politologe Herfried Münkler widersprach entschieden:
In einer Minderheitsregierung müsste die CDU entweder versuchen, mit der SPD partielle Mehrheiten zu bilden oder sie müsste sich mit der AfD einlassen - "einer Partei, deren Vorsitzende sagt: 'Wir müssen die CDU kannibalisieren'".
Münkler mahnte: "In einer Minderheitsregierung kann man zwar erzählen, man hat eine höhere Beweglichkeit. Aber man wird jeden Kompromiss, den man für eine Mehrheit braucht, sehr viel teurer bezahlen müssen als das in einer Koalitionsregierung der Fall ist."
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Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 24.09.2026 ab 22:15 Uhr
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