Knapp drei Euro für einen Liter. So viel kostet der Diesel offiziell an Malawis Tankstellen. Es sind die höchsten Spritpreise Afrikas und für die meisten Menschen im Land kaum noch zu bezahlen. Der Schwarzmarkt boomt.
Patrick Pedro verkauft Diesel in kleinen Flaschen am Straßenrand. Bei ihm kostet der Liter rund 5.000 Kwacha - umgerechnet etwa 2,50 Euro. "Der Schwarzmarkt ist illegal. Wir machen es trotzdem. Hier in Malawi gibt es keine Arbeitsplätze für uns", sagt er.
Den Kraftstoff kaufe er Lastwagenfahrern unter der Hand ab, erzählt Pedro. Die zweigen einen Teil der für Tankstellen bestimmten Lieferung ab und verkaufen ihn auf eigene Rechnung weiter. So wie Pedro machen es viele.
Malawi Ist Auf Öl-Importe Angewiesen
Malawi steckt in einer Treibstoffkrise, kämpft seit Jahren mit einem strukturellen Problem: Das Land hat kein eigenes Öl - Benzin und Diesel müssen importiert werden. Um seine Einfuhren zuverlässig zu finanzieren, fehlen dem Land aber die nötigen US-Dollar. Deshalb kam es bereits vor dem aktuellen Preisschock wiederholt zu Versorgungsproblemen. Und derzeit sind die finanziellen Spielräume gering: Nach Angaben der Weltbank reichen die offiziellen Devisenreserven für weniger als einen Monat der Importe.
Landesinfos Malawi
Malawi liegt im südöstlichen Afrika und grenzt an Mosambik, Sambia und Tansania. Das Land hat etwa 22 Millionen Einwohner. Die Wirtschaft hängt stark von der Landwirtschaft ab. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung arbeiten in diesem Bereich. Zugleich ist die Landwirtschaft besonders anfällig für Dürren, Überschwemmungen und andere Wetterextreme. Malawi ist ein Binnenstaat und muss wichtige Güter wie Treibstoff, Dünger und andere Produktionsmittel importieren. Gleichzeitig fehlen Devisen. Die offiziellen Reserven reichen nach Angaben der Weltbank für weniger als einen Monat der Importe.
Weltmarkt Verschärft Die Lage
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor: Die Konflikte im Nahen Osten haben die internationalen Energiemärkte erschüttert. Einschränkungen bei Lieferwegen und Ausfälle in der Energieinfrastruktur haben vor allem den Dieselmarkt angespannt. Die Internationale Energieagentur rechnet für 2026 mit einem deutlichen Rückgang des weltweiten Ölangebots.
Für Malawi ist das besonders folgenreich: Das Land im Südosten Afrikas ist ein Binnenstaat, ohne Zugang zum Meer. Der Treibstoff kommt über die Nachbarländer. Das macht ihn teuer - und die hohen Preise treffen die gesamte Wirtschaft.
Wenn Der Traktor Stehen Bleibt
Besonders unmittelbar bekommen das die Bauern zu spüren. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Smolet Kachere bewirtschaftet 150 Hektar. Mais, Tabak und Gemüse wachsen auf seinen Feldern. Eigentlich müssten zurzeit die Traktoren fahren. Doch die Betriebskosten sind für ihn kaum noch kalkulierbar.
Wo es möglich ist, sucht Kachere nach Alternativen. Für die Bewässerung hat er eine Dieselpumpe durch eine Solaranlage ersetzt. Drei Solarpaneele reichen aus, um die Pumpe zu betreiben. Nach seiner Rechnung spart er damit rund 900 Euro im Monat.
Für seine Traktoren gibt es keine vergleichbare Lösung. Bis zu 3.000 Liter braucht Kachere normalerweise in einer Saison.
Im vergangenen Jahr erntete er nach eigenen Angaben rund 5.000 Tonnen Mais. In diesem Jahr erwartet er höchstens 2.000 Tonnen.
Weniger Maschinen, Weniger Ertrag
Kachere steht damit beispielhaft für ein Problem, das die gesamte Landwirtschaft betrifft. Was tun, wenn der Einsatz von Maschinen unbezahlbar wird? "Die Menschen greifen wieder auf lokale Anbaumethoden zurück oder setzen Pferde ein, weil sie sich einen Traktor nicht leisten können", sagt der Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler Kennedy Machira.
Steigt der Preis auf dem Weltmarkt, verteuert sich damit auch die Versorgung des Landes.
Beim Einkauf Bleibt Weniger Übrig
Yasynta Rukunya und ihr Mann versuchen, mit den gestiegenen Preisen klarzukommen. Bisher habe es immer gereicht, doch ihre Ausgaben steigen rasant: Die Inflation lag zuletzt bei 28 Prozent. "Ich gebe genauso viel Geld aus wie früher, bekomme dafür aber viel weniger. Die Preise für Tomaten und Gemüse sind viel höher", sagt die Stoffverkäuferin.
Wirtschaftliche Situation Malawi
Wirtschaftliche Situation Malawi Die wirtschaftliche Lage ist seit Jahren angespannt. Hohe Staatsschulden, geringe Exporte, Devisenmangel und eine schwache Produktivität bremsen die Entwicklung. Für 2026 erwartet die Weltbank ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent - kaum mehr als das Bevölkerungswachstum.
Die steigenden Lebenshaltungskosten haben in den vergangenen Jahren die Unzufriedenheit in der Bevölkerung verstärkt. 2024 und 2025 kam es wiederholt zu Protesten gegen die wirtschaftliche Lage, die hohen Preise und die Versorgungsprobleme.
Seit 2025 ist Lazarus Chakwera nicht mehr Präsident; neuer Staatschef ist Peter Mutharika. Die wirtschaftlichen Probleme sind damit jedoch nicht gelöst.
Die Abhängigkeit von importiertem Kraftstoff macht das Land besonders verwundbar. Schon vor dem aktuellen Preisschock kam es wegen fehlender Devisen, ausstehender Zahlungen und logistischer Probleme immer wieder zu Engpässen.
Vorräte Sollen Versorgung Sichern
Die Regierung versucht, die Versorgung mit Treibstoff abzusichern. In großen Tanklagern der staatlichen Ölgesellschaft werden Diesel und Benzin für das Land vorgehalten.
Raymond Likambale von der National Oil Company of Malawi sagt, die Reserven reichten derzeit für etwa 30 Tage. Eigentlich seien die Anlagen für einen Vorrat von 60 Tagen ausgelegt worden.
Mehr Lagerbestände könnten kurzfristige Lieferprobleme abfedern. An der grundsätzlichen Abhängigkeit vom Weltmarkt ändern sie wenig. Malawi bleibt auf Importe angewiesen - und damit auf die Entwicklung der internationalen Preise. In Malawi trifft die Treibstoffkrise inzwischen das ganze Land: die Bauern, den Transport, die Unternehmen - und die Menschen im Alltag.
Verena Garrett ist Studioleiterin des ZDF- Studios Johannesburg und berichtet aus den Ländern des südlichen Afrikas.
Über dieses Thema berichtete das auslandsjournal in dem Beitrag "Wenn Diesel unbezahlbar wird" am 23.09.2026 ab 22:15.
Malawi liegt im südöstlichen Afrika und grenzt an Mosambik, Sambia und Tansania. Das Land hat etwa 22 Millionen Einwohner. Die Wirtschaft hängt stark von der Landwirtschaft ab. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung arbeiten in diesem Bereich. Zugleich ist die Landwirtschaft besonders anfällig für Dürren, Überschwemmungen und andere Wetterextreme. Malawi ist ein Binnenstaat und muss wichtige Güter wie Treibstoff, Dünger und andere Produktionsmittel importieren. Gleichzeitig fehlen Devisen. Die offiziellen Reserven reichen nach Angaben der Weltbank für weniger als einen Monat der Importe.
Wirtschaftliche Situation Malawi Die wirtschaftliche Lage ist seit Jahren angespannt. Hohe Staatsschulden, geringe Exporte, Devisenmangel und eine schwache Produktivität bremsen die Entwicklung. Für 2026 erwartet die Weltbank ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent - kaum mehr als das Bevölkerungswachstum.
Die steigenden Lebenshaltungskosten haben in den vergangenen Jahren die Unzufriedenheit in der Bevölkerung verstärkt. 2024 und 2025 kam es wiederholt zu Protesten gegen die wirtschaftliche Lage, die hohen Preise und die Versorgungsprobleme.
Seit 2025 ist Lazarus Chakwera nicht mehr Präsident; neuer Staatschef ist Peter Mutharika. Die wirtschaftlichen Probleme sind damit jedoch nicht gelöst.
Die Abhängigkeit von importiertem Kraftstoff macht das Land besonders verwundbar. Schon vor dem aktuellen Preisschock kam es wegen fehlender Devisen, ausstehender Zahlungen und logistischer Probleme immer wieder zu Engpässen.